Museumsgeflüster

Meine winterliche Reise ins Sägewerk von Barr

Lieber Freund
Es war im Jahr 1775 (?),
als ich zu einem jungen Kranken in das Sägewerk von Barr gerufen wurde, ungefähr vier Stunden von hier, auf der anderen Seite des Hochfelds. Es war kalt und ein wenig neblig. Je weiter wir bergan schritten, desto mehr klarte es auf; gleichzeitig wurde es milder. Es war merkwürdig windstill. Die Täler und Berge waren in ein blendend weißes Gewand gehüllt. Die Tannenwälder dufteten und lagen in grauen Schatten. Der harsche Schnee warf die Sonnenstrahlen so stark zurück, dass ich meine Handschuhe und meinen Gehrock ausziehen musste. Der Schnee war nun vollständig gefroren und trug mich und das Pferd, was, nebenbei bemerkt, auch nötig war. Sie wissen, wie schwer meinen Füßen seit meiner Kindheit längeres Gehen fällt, vor allem in den Bergen. Manchmal sank das Pferd etwas tiefer in den Schnee ein. Dann stieg ich ab und führte das Pferd am Zügel, bis mich die Erschöpfung zwang, mich mit meinen schlaffen Füßen erneut an das Pferd zu klammern.
Nachdem ich mit meinem Begleiter die Weiten des Hochfelds durchquert hatte, flößten das stille, weite, klare und hinreißende Fest der Natur und die offenbare Nähe des Himmels meiner ganzen Seele neuen und unbeschreiblichen Mut ein.

Auszug aus den „ANNALEN DES STEINTALS, INSBESONDERE DER GEMEINDE WALDERSBACH, BEGONNEN IM JAHR 1770“, handschriftlicher Eintrag – Sammlungen des Oberlin-Museums