Museumsgeflüster

Heute Sonntag, den 11. Augst morgens um 8 Uhr, da ich in der Stubkammer am Fenster stund, hörte ich plötzlich ein stark Geräusch, ohngefähr wie wann man eine Thür, deren Rand mit Tuch oder Salbanden wohl bedeckt wäre, mit solcher Gewalt zuschmetterte, dass das ganze Hauss davon zittern musste. Ich dachte sogleich, das heisst grob geschmettert.

Erinnerte mich aber, dass wir keine solche Thür hätten und hörte auch, dass niemand damahl keine Thür nur auf und zugemacht. Es fiel mir das Erdbeben ein. Da aber diese im Steinthal fast unerhört sind, ich auch den Kopf mit andern Sachen gefüllt hatte, vergass ich’s wieder.

Des Mittags assen wir beym jungen Ulric Banzet, dem Schmidt zu Belmont. Da wurde erzehlt, dass die Frau, die in der Kindbett liegt, ein wiegenähnliche Bewegung am Bett verspürt. Der Vater aber, J. Banzet l.v. der besser oben im Dorf wohnt und eben am Fenstersimsen stund, eine Erschütterung der Fenster und Wanken der auf dem Simsen liegenden zusammen und aufeinandergelegten Wäsche wahrnahm. Und das alles in einem Augenblick morgens um acht Uhr.

Das Erdbeben welches man den 11 Augst in den Gegenden von Augsburg bis an den Rhein verspüret hat und wodurch ein Strich Landes von 20 Meilen in der Breite und über 30 Meilen in der Länge erschüttert worden, ist in etlichen Tagen drauf auch in vielen Gegenden Italiens ausgebrochen etc…

Auszug aus den „ANNALEN DES STEINTALS, INSBESONDERE DER GEMEINDE WALDERSBACH, BEGONNEN IM JAHR 1770“, handschriftlicher Eintrag – Sammlungen des Oberlin-Museums